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Offener Brief an Chief-Cybercrime Serdar Günal Rütsche

E-Mail an: …@kapo.zh.ch

Sehr geehrter Herr Rütsche

Mit Sorge beobachte ich die hohe und zunehmende Cyberkriminalität in der Schweiz. In diesem Zusammenhang habe ich mich wiederholt kritisch zur unzureichenden Tätigkeit der Strafverfolgungsbehörden geäussert, da es ihnen nicht gelingt, den Cyberkriminellen das Handwerk zu legen (1).

Die folgenden Ausführungen stützen sich auf öffentliche Informationen der Polizei und Behörden. Gleichzeitig möchte ich einige kritische Fragen zur aktuellen Strategie stellen.

Gemäss veröffentlichten Zahlen werden aktuell täglich 177 Meldungen (2) zu Cybervorfällen registriert, davon sind Zitat: «58 Prozent der Meldungen dem Phänomen ‹Betrug› zugeordnet» (3). Der Jahresbericht von «Cybercrimepolice.ch» bestätigt eine Grössenordnung von rund 90 Meldungen (4) pro Tag.

Seit Februar 2022 verfügt die Polizei mit «NEDIK» (5) über eine weitere Task Force zur Bekämpfung digitaler Kriminalität, die Sie leiten. Hinzu kommen zahlreiche weitere Polizei-Netzwerke, die Cyberkriminalität zumindest thematisieren, darunter Cyberboard, BACS, SKP sowie kantonale Cybercrime-Einheiten, nebst der direkten Involvierung der regionalen Polizeikorps.

Das Leitbild von NEDIK beginnt mit dem Satz (6): «Um die schweizweite Effektivität der Verfolgung und Bekämpfung von Cyberkriminalität mittels einer intensivierten Kooperation und Koordination zwischen den Kantonen zu steigern …»

Beim Studium der zahlreichen Publikationen dieser vielen Polizei-Netzwerke fällt jedoch auf, dass vor allem von administrativer Koordination, Wissenstransfer, Reporting und Präventionsarbeit die Rede ist – dito bei NEDIK (7). Dagegen finden sich keine Informationen darüber, wie die Polizei organisiert ist, Täter effektiv zu ermitteln und strafrechtlich zu verfolgen, oder ob Täter überhaupt konsequent durch die Justiz verurteilt werden.

Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Cyberkriminalität hauptsächlich verwaltet, jedoch nicht systematisch bekämpft wird!

Cybersicherheit kostet den Steuerzahler bereits 26,3 Millionen und soll in den Folgejahren auf 31,4 Millionen erhöht werden (8).

Aktuell stehen der Task Force NEDIK, CHF 814’000 (9) für die Bekämpfung von Cyberkriminalität zur Verfügung. Hinzu kommt die Unterstützung durch akademische Institutionen: Universität Luzern, Universität Zürich, die ZHAW und ETH. Es scheint daher weder an personellen noch an finanziellen Ressourcen oder am notwendigen Know-how zu mangeln.

Vor diesem Hintergrund frage ich mich, weshalb Täter offenbar nicht konsequent strafrechtlich verfolgt werden. Letztlich führt die digitale Geldspur über Twint oder Banküberweisungen direkt zu einem Täter oder zumindest zu einem Mittelsmann, der an den Straftaten beteiligt ist und sich ebenfalls strafbar macht.

Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse daran zu erfahren, weshalb Cyberkriminelle nicht oder kaum zur Verantwortung gezogen werden.

Weiter führt cybercrimepolice.ch eine Warnliste mit rund 3260 Links (10), die mit Cyberkriminalität in Verbindung stehen. Plattformen wie Tutti, Ricardo oder Anibis werden jedoch nicht aufgeführt, obwohl gemäss vielen Medienberichten (11) genau dort häufig betrügerische Aktivitäten stattfinden.

Ich würde mich über eine Stellungnahme zu diesen Fragen freuen. Gleichzeitig hoffe ich, dass dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in die Rechtsordnung gestärkt werden kann, wenn die Bürger nicht nur von Präventionskampagnen (12) erfahren, sondern auch darüber informiert werden, welche konkreten Massnahmen die Polizei im Bereich der Strafverfolgung unternimmt und welche Erfolge sie dabei erzielt.

Freundliche Grüsse,
Die Redaktion

PS: Mich würde auch interessieren, warum nur in sieben Kantonen eine Online-Anzeige https://www.suisse-epolice.ch möglich ist und warum am Polizeiposten systematisch davon abgeraten wird, eine Anzeige zu erstatten, wie es in meinen Publikationen und in den sozialen Medien zu lesen ist.

Serdar Günal Rütsche
Leiter NEDIK
Chief Cybercrime Kantonspolizei Zürich
Dozent für Cybersicherheit
Vizepräsident der Mitte in Zuzwil SG
https://ch.linkedin.com/in/serdar-g%C3%BCnal-r%C3%BCtsche-a7538a280

(1)

(2)

https://www.ncsc.admin.ch/ncsc/de/home/aktuell/im-fokus/2026/jahresbericht.html

(3)

https://www.ncsc.admin.ch/ncsc/de/home/dokumentation/berichte/lageberichte/halbjahresbericht-2025-1.html

(4)

https://cybercrimepolice.ch/de/jahresbericht-2025

(5)

https://www.rr.be.ch/de/start/beschluesse/suche/geschaeftsdetail.html?guid=438a763e401e41d2aa707bb767fbb109

(6)

https://cybercrimepolice.ch/de/ueber-nedik

(7)

(8)

https://www.vbs.admin.ch/de/parlament-cybersicherheit

(9)

https://www.rr.be.ch/de/start/beschluesse/suche/geschaeftsdetail.html?guid=438a763e401e41d2aa707bb767fbb109

(10)

https://cybercrimepolice.ch/de/warnliste

(11)

https://www.20min.ch/story/ricardo-betrug-nach-phishing-angriff-fehlen-40-000-franken-so-reagieren-banken-103576322

https://www.20min.ch/story/booking-betrug-eveline-in-einem-tag-waren-drei-konten-leer-geraeumt-103579551

https://www.20min.ch/story/neuenburg-lehrerin-chloe-um-25-000-fr-betrogen-doch-bank-lehnt-haftung-ab-103514350

(12)

https://www.s-u-p-e-r.ch

https://www.card-security.ch

https://www.ibarry.ch

https://cybercrimepolice.ch

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